Zurück zu den Wurzeln: Warum AWS plötzlich auf „Made in Europe“ setzt

19.1.2026
Wir leben in einer Zeit, in der Daten das wertvollste Gut vieler Unternehmen sind. Doch wo diese Daten liegen und wer im Ernstfall darauf zugreifen kann, war lange Zeit eine Grauzone. Jetzt bewegt sich einer der größten Player der Welt: Amazon Web Services (AWS) kündigt die AWS European Sovereign Cloud an. Warum dieser Schritt die IT-Landschaft verändern wird und warum wir bei bchic.de uns durch diese Entwicklung in unserer eigenen Strategie bestätigt fühlen, beleuchten wir in diesem Artikel.
Quelle: bchic.de

Was ist die AWS European Sovereign Cloud?

Kurz gesagt: AWS baut eine Cloud, die physisch und operativ vollständig in Europa bleibt. Sie richtet sich speziell an den öffentlichen Sektor, das Gesundheitswesen, Finanzdienstleister und alle Branchen, die extrem strengen Regulierungen unterliegen.

Die wichtigsten Eckpunkte der Ankündigung sind vielversprechend:

  • Sovereign by Design: Eine Architektur, die von Grund auf für Datensouveränität gebaut wurde.
  • Operative Autonomie: Der Betrieb erfolgt ausschließlich durch in der EU ansässige Mitarbeiter und eigene Tochtergesellschaften. Es gibt keine operative Kontrolle von außerhalb der EU-Grenzen.
  • Technische Kontrolle: Durch das AWS Nitro System soll sichergestellt werden, dass niemand (nicht einmal AWS-Mitarbeiter) heimlich auf Kundendaten zugreifen kann.
  • Ausbau: Neben Deutschland sind Erweiterungen in die Niederlande, Belgien und Portugal geplant.

Warum ist dieser Schritt so wichtig?

Lange Zeit galt im Cloud-Computing das Mantra: „Alles in die globale Cloud, egal wo der Server steht.“ Doch die Realität – geprägt durch die DSGVO, Schrems II und wachsende Sicherheitsbedenken – hat gezeigt, dass dieser Ansatz für sensible europäische Daten oft nicht ausreicht.

AWS reagiert mit diesem Schritt auf ein klares Marktbedürfnis: Rechtssicherheit und Vertrauen.

Es ist ein starkes Signal, wenn der weltgrößte Cloud-Anbieter eine Infrastruktur aufbaut, die explizit physisch und operativ vom Rest des globalen Netzwerks getrennt ist, um die Anforderungen an die Datenresidenz zu erfüllen. Es zeigt, dass „Datensouveränität“ kein Nischenthema für deutsche Datenschutzbeauftragte mehr ist, sondern ein knallharter Wirtschaftsfaktor.

Der Blick über den Tellerrand: Warum wir Hetzner nutzen

Wir bei bchic.de setzen für unsere Infrastruktur aktuell auf Hetzner. Warum erwähnen wir das in einem Artikel über Amazon? Weil AWS mit diesem Schritt im Grunde genau das Modell validiert, das europäische Hoster seit Jahren als ihren großen Vorteil bewerben: Datenhoheit in Europa, betrieben von Unternehmen unter europäischem Recht.

Natürlich spielen AWS und Hetzner in unterschiedlichen Ligen, was das Service-Portfolio (PaaS/SaaS) angeht. Aber der Kern des neuen AWS-Angebots – die Unabhängigkeit und lokale Kontrolle – ist genau das, was wir an lokalen Partnern schätzen. Wir brauchen keine Weltreise für unsere Daten, wir brauchen Sicherheit, Performance und Rechtskonformität vor Ort.

Was andere Branchen daraus lernen sollten

Der Launch der AWS European Sovereign Cloud ist mehr als nur eine IT-Nachricht. Er steht symptomatisch für einen Trend, den wir auch in anderen Branchen beobachten sollten.

Jahrelang wurde globale Vernetzung über lokale Resilienz gestellt. Das sehen wir in der Produktion, in Lieferketten und in der Energieversorgung. Der Schritt von Amazon zeigt: Es ist wirtschaftlich sinnvoll, kritische Infrastrukturen lokal und unabhängig kontrollierbar zu machen.

Unternehmen in allen Sektoren sollten sich fragen:

  1. Abhängigkeit: Verlasse ich mich auf globale Partner, die im Krisenfall andere Prioritäten haben als meine lokalen Anforderungen?
  2. Kontrolle: Habe ich (oder mein lokaler Partner) die volle operative Kontrolle über meine kritischen Ressourcen?
  3. Resilienz: Ist meine Lösung „Sovereign by Design“ oder wurde sie nur notdürftig an lokale Gesetze angepasst?

Fazit

Die AWS European Sovereign Cloud ist ein massiver Gewinn für europäische Behörden und Konzerne, die bisher Cloud-Lösungen aufgrund von Compliance-Bedenken meiden mussten.

Für uns ist es aber vor allem eine Bestätigung: Der Weg zu mehr Unabhängigkeit, lokaler Wertschöpfung und strengem Datenschutz ist keine Hürde, sondern ein Qualitätsmerkmal. Ob man das nun mit einem US-Riesen realisiert, der sich lokalisiert, oder mit einem traditionellen europäischen Anbieter wie Hetzner, muss jeder für seinen Anwendungsfall entscheiden. Wichtig ist, dass das Bewusstsein für Souveränität endlich im Mainstream angekommen ist.

Bereit, die nächsten Wachstumschancen zu entdecken?